Juli 2004
Bearbeitung von H-alpha Aufnahmen der Sonne
Cai-Uso Wohler
Im folgenden wird die Bearbeitung von digitalen Schwarzweißaufnahmen der
Sonne im H-alpha Licht beschrieben.
Seit dem Frühjahr 2004 benutze ich einen Solarmax 60 mit 10mm Blockfilter
von Coronado. Diesen betreibe ich an einem Frauenhofer-Refraktor 70/700 von Skywatcher zur Beobachtung und digitalen Fotografie
der Sonne im Licht des einfach ionisierten Wasserstoffs. Zur Sonnenfotografie benutze ich zur Zeit eine Olympus Camedia 2020Z
(2,1 Mio. Pixel).
Bei Verwendung eines 10mm LV-Okulars von Vixen habe ich mit der C-2020Z sowohl
mit, als auch ohne dem eingebauten 3-fach Zoom kaum Vignettierung am Rand. Ohne Zoom ist die Sonne fast formatfüllend,
mit 3-fach Zoom ergibt sich meist ein interessanter Detailausschnitt der Sonne.
Vor Beginn der Aufnahmen sind die folgenden Einstellungen an der Kamera vorzunehmen.
Die Fokussierung wird auf 'manuell' und 'unendlich' gestellt, der automatische Blitz wird ausgeschaltet und die Kamera wird
auf Schwarzweiß-Modus umgestellt. Ich verwende für die Sonnenaufnahmen grundsätzlich die Empfindlichkeitseinstellung
100 ASA. Ob man manuelle oder automatische Belichtung wählt, bleibt jedem selbst überlassen und macht im Endergebnis
kaum einen Unterschied. Ich wähle für Aufnahmen der gesamten Sonne die automatische Belichtung, für Ausschnitte
der Sonne wähle ich je nach Lichtverhältnissen 1/4 oder 1/8 Sekunde vor.
Bei Aufnahmen der Gesamtsonne reichen für die erfolgreiche Weiterverarbeitung oft
schon vier oder fünf Einzelbilder, bei Sonnenausschnitten sollten mindestens zehn vom seeing wenig beeinträchtigte
Aufnahmen vorliegen. Bestenfalls macht man 20 Aufnahmen, von denen man sich die ca. zehn besten von Hand heraussucht und wie
folgt weiterverarbeitet.
Die ausgesuchten Aufnahmen (Abb. 1, ein beliebiges Einzelbild) werden mit einem Stack-Programm addiert. Hierfür haben
sich bei mir sowohl AstroStack 2 (http://www.astrostack.com/),
als auch RegiStax V2.x (http://aberrator.astronomy.net/registax/) bewährt.
Je nach Motiv erzielt man in dem einen oder anderen Programm bessere Ergebnisse (Abb. 2, gestacktes Bild).
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Die Weiterverarbeitung des Ergebnisses kann dann z. B. in Photoshop vorgenommen
werden. Hier gibt es verschiedene Wege, aus dem gestackten Bild ein gutes Einzelbild zu machen. Ich beschreibe im Folgenden den Weg,
der sich nach viel Probieren für mich als der beste und einfachste Weg zu guten Bildern herausgestellt hat.
Das gestackte und im Stack-Programm ggf. schon mit den Funktionen Unscharfe Maske,
Helligkeit und Kontrast bearbeitete Bild wird in Photoshop geladen. Die erste wichtige Funktion, die an dem Bild angewendet
werden muß, ist der Filter De-Interlace. Dieser entfernt die häßlichen Videolinien, die spätestens nach dem Stacken
deutlich hervortreten.
Man erkennt bei gezoomten Detailaufnahmen auf dem Bild
am Sonnenrand deutlich den abrupten Übergang von der Photosphäre zur Chromosphäre (siehe Abb. 2). Genau dort lege ich eine
kreisrunde Maske auf. Dieses ermöglicht mir die getrennte Bearbeitung von Sonnenoberfläche und Chromosphäre
mit Protuberanzen.
Die Oberfläche wird zuerst einer Tonwertkorrektur unterzogen. Hier schiebe ich den
linken und den rechten unteren Begrenzungspfeil in Richtung Mitte, um die Tonwertspreizung zu beschneiden (Abb. 3). Man muß
bei diesem Prozess ein wenig probieren, bis man sich für ein Ergebnis (Abb. 4, nach Tonwertkorrektur) entscheidet. Danach werden Helligkeit
und Kontrast nochmal angepaßt (Abb. 5, nach Helligkeits- und Kontrastanpassung). Die Bearbeitung der Sonnenoberfläche ist damit eigentlich
abgeschlossen. Man kann aber auch noch Versuche mit der Gradationskurve anstellen. Bei mir hat das allerdings nicht zum
gewünschten Erfolg geführt.
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Um nun den Sonnenrand zu bearbeiten, kehrt man die Maske einfach um.
Danach grenze ich wiederum die Tonwertkurve ein und helfe dem Aussehen des Sonnenrandes mit Helligkeit und Kontrast nach (Abb. 6, nach Bearbeitung des Sonnenrandes).
Allerdings reagiert der Sonnenrand anders auf die beschriebenen Parameter als die Oberfläche, weshalb es ratsam ist,
beides wie hier beschrieben unabhängig voneinander zu bearbeiten.
Eigentlich ist das H-alpha Bild jetzt bereits fertig. Man kann aber dieses
Schwarzweißbild bei Bedarf noch einfärben. Hierfür eignet sich die Bildeinstellung Farbbalance. Hier kann man nach
Belieben probieren und sich eine knallbunte Sonne zurechtmixen - je nach Geschmack.
So, nun wünsche ich viel Spaß bei der Bearbeitung der eigenen H-alpha Sonnenaufnahmen.
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