Veröffentlicht im Sternkieker, Zeitschrift der Gesellschaft
für volkstümliche Astronomie e. V. Hamburg,  38. Jahrgang,
3. Quartal 2001
 

Vergleich verschiedener Teleskope am Jupiter während der letzten beiden Oppositionen (1999/2000 und 2000/2001)

Cai-Uso Wohler

Nachdem ich acht Jahre nicht beobachtet hatte, habe ich im Herbst 1999 die Jupiterbeobachtung wieder aufgenommen. Mein damaliges Gerät war ein neuerworbener 100mm-Refraktor, f/10, von Bresser auf einer EQ5-Montierung mit Alu-Stativ. Von der Qualität des Jupiterbildes war ich von Anfang an begeistert, hatte ich doch bisher mit maximal 80mm beobachtet. Den leichten Farbfehler habe ich sehr gut mit einem schwachen Gelbfilter bzw. auch einem Gelbgrünfilter unterdrückt. Mit diesem Gerät sieht man sehr schön den Großen Roten Fleck (GRF) und vier bis fünf Bänder (plus die dunklen Polregionen). Ferner sind, je nach Aktivität der Zonen, z.B. in der Äquatorzone (EZ) dunkle Projektionen und manchmal von Projektionen eingeschlossene helle Ovale zu sehen. Der Objektivdurchmesser von 100mm begrenzt die sinnvolle Vergrößerung auf ca. 150-fach (Abb. 1).

Zum Ende des Jahres 1999 gab es noch recht wenig Firmen, die diese Refraktoren (Hersteller ist die Firma Syntha aus China), massiv vertrieben. Der Markt war noch jung und die Geräte nicht sehr teuer. Daher entschloß ich mich kurzerhand, den 100mm-Refraktor gegen einen 120er (f/8,3) von Bresser, auszutauschen. Dies stellte sich dann auch als eine lohnenswerte Steigerung heraus. Ich sah im Gegensatz zum 100mm-Refraktor mit diesem Gerät ein bis zwei Bänder mehr auf Jupiter, die Anzahl der gesichteten Projektionen und Ovale in der EZ nahm zu und hin und wieder konnte ich sogar erkennen, wo das weiße Oval BA, ein langlebiges Objekt auf Jupiter, welches momentan allerdings recht kontrastarm ist, im südlichen gemäßigten Band (STB) eingebettet ist. Als für mich sinnvolle Maximalvergrößerung benutzte ich 143-fach (7mm orthoskopisches Okular von Vixen). Der Farbsaum um helle Objekte wie Mond und Planeten war nicht so schlimm wie befürchtet. Angesichts des Preises dieses Teleskopes ist der Farbfehler, verursacht durch das verwendete Glas in einem achromatischen (Fraunhofer-) Refraktor, meiner Ansicht nach durchaus zu verschmerzen (Abb. 2).
 
 

Abb. 1: Jupiter, 07.01.2000, 17:29UT
              am FH-Refraktor 102/1000
              Luftruhe: 3, Durchsicht: 2-3
              Vergr.: 143x

Abb. 2: Jupiter, 05.11.2000, 00:55UT
              am FH-Refraktor 120/1000
              Luftruhe: 1-2, Durchsicht: 2
              Vergr.: 143x

Diverse Details, die man auf guten CCD-Aufnahmen von Amateuren sieht, schafft allerdings auch dieses Gerät nicht aufzulösen und darzustellen. Speziell meine ich damit die drei hellen Ovale im SSTB (das Band südlich des STB), in Jupiter-Amateurkreisen auch die drei Ducks (Tick, Trick und Track) genannt. Ferner ist das dunkle Auge des GRF (der mittlere Teil des ‘Wirbels‘) nicht zu erkennen.
Also mußte ein besseres Teleskop her. Nach langen Überlegungen und Mobilmachung sämtlicher finanzieller Reserven habe ich mich für einen 102mm-Fluorit-Refraktor (f/9) von der Fa. Vixen entschieden. Dieses Gerät hat mich dann von der Bildästhetik her auch gleich in seinen Bann gezogen. Einen so knackig-scharfen Jupiter hatte ich vorher noch nicht gesehen. Allerdings kam die Enttäuschung mit zunehmender Beobachtung. Recht schnell stellte ich fest, daß ich die Details auf Jupiter zwar sehr viel abgegrenzter (und somit schärfer) sah, als im 120mm-Refraktor, aber ich sah kaum mehr Details als mit diesem (Abb. 3). Der 120mm-Refraktor war durch die größere Öffnung, und damit die Auflösung und das Lichtsammelvermögen, dem Fluorit was die Sichtung von Details anging (natürlich nicht an Bildästetik) fast ebenbürtig. Jedenfalls rechtfertigte es für mich nicht den ca. vierfach höheren Preis.
In dieser Zeit hatte ich einmal Gelegenheit, durch den 10“-Newton mit Lomo-Spiegel von Christian Harder (Leiter der GvA-Sektion Planeten) zu beobachten. Was soll ich sagen? Als eingefleischter ‘Refraktorianer‘ dachte ich, ich hätte da fast ein Riesen-Fluorit vor meinem Auge. Diese Bildqualität hätte ich von einem Newton nie erwartet (nein, ich habe doch keine Vorurteile). Abgesehen von einer Vielzahl mehr Details sah ich die EZ deutlich durch das Äquatorband (EB) geteilt, wobei die eine Hälfte der EZ leicht dunkler war als die andere. Deutlich war der WOS BA zu erkennen, usw. Das hatte ich zuvor wirklich nur auf Aufnahmen der Raumsonde Cassini gesehen, welche gerade beim Jupiter war. Nearly fluorit-like! In Sekunden der fast absoluten Bildruhe war die Fülle an Details nicht mehr so ohne weiteres zu zeichnen. Als Christian mir dann noch frei heraus anbot, mir einen dobson-montierten Newton zu bauen, war für mich klar, was mein nächstes Teleskop sein sollte. Nach kurzer Suche im Internet fanden wir einen gebrauchten 8“-Spiegel (f/7,5) samt Tubus von der Westerholt AG. Christian befand den Spiegel für gut, deckte sich noch im Baumarkt ein und fing an zu bauen. Keine vier Wochen später war der Dobson-Newton fertig. Ich besorgte mir dann noch auf Anraten von Christian ein Weitwinkel-Okular (LVW 8mm von Vixen) und der Jupiterbeobachtung mittels Newton stand nichts mehr im Weg.
Mein Eindruck nach dreimonatiger Nutzung dieses Teleskopes ist der, daß das Jupiterbild in Momenten der Luftruhe wirklich überwältigend ist. Ich sehe am Jupiter deutlich mehr, als damals mit dem 120mm FH-Refraktor. Auch kommt ein FH-Refraktor nicht mit der Schärfe dieses Spiegels mit (ich benutze, um die Obstruktion zu minimieren, einen 28mm-Fangspiegel). Wohlgemerkt spreche ich von diesem einen Newton. Es wäre fatal, das hier Geschriebene grundsätzlich auf alle Newtons der Größenklasse anzuwenden, denn gerade beim Spiegel hängt die Qualität des Bildes, mehr noch als beim Refraktor, vom Schliff ab. Im Vergleich zum Fluorit ist der 8“-Newton diesem überlegen, da er, zumindest in Momenten der Luftruhe, bei höherer Vergrößerung fast genauso scharf abbildet und mehr Details zeigt (Abb.4).
 
 

Abb. 3: Jupiter, 18.12.2000, 20:55UT
              am Vixen APO Fluorit 102/920
              Luftruhe: 2-3, Durchsicht: 3
              Vergr.: 184x

Abb. 4: Jupiter, 26.02.2001, 18:05UT
              am Newton 200/1475
              Luftruhe: 2-3, Durchsicht: 2
              Vergr.: 184x

Alle Abbildungen habe ich aus meinen Zeichnungen dahingehend ausgesucht, daß sie den Eindruck im jeweiligen Teleskop möglichst realistisch wiedergeben. Aus meiner Sicht ist an den Zeichnungen nichts beschönigendes in Bezug auf die Abbildung im jeweiligen Teleskop und der geneigte Leser wird jeweils ein ähnliches Bild vorfinden. Allerdings muß auch gesagt werden, daß man die abgebildeten Details nicht unbedingt sofort und ohne jegliche Jupitererfahrung sehen wird.
Der Selbstbau-Dobson-Newton hat an Material ca. DM 1250.- gekostet und ist, verglichen mit dem Fluorit, für meine Beobachtungen gleichwertig. So entschloß ich mich, mich von dem Fluorit-Refraktor zu trennen. Es machte für mich keinen Sinn, ein fünfmal so teures Gerät zu besitzen, wenn es nicht besser war, als der Newton. Allerdings muß ich hier nochmals betonen, daß die Bildästhetik in einem Fluorit natürlich nicht zu überbieten ist. Mir kommt es allerdings bei der Jupiterbeobachtung eher auf die Menge der Details an, auch wenn ich sie, wie im Newton, nur blickweise in Momenten der Luftruhe sehe.
Da ich weiterhin als Zweitgerät auch einen Refraktor nutzen wollte, habe ich mir dann nach Verkauf des Fluorits einen achromatischen 150mm-Refraktor, (f/8), von Dörr/Danubia (auch von Syntha hergestellt) zugelegt. Auch dieser zeigt am Jupiter erstaunlich viel Detail, hat aber doch mehr Farbfehler als damals der 120er von Bresser (Abb. 5). Ich verwende diesen Refraktor jedoch genausooft wie den Newton,  ist er doch auf der EQ5, mittlerweile mit Hartholzstativ, parallaktisch montiert und dadurch bequemer zu handhaben als der Dobson-Newton. Außerdem kann ich mit dem dobson-montierten Newton keine Zentralmeridianmessungen an Jupiterdetails vornehmen, da die Bänder und Zonen, je nachdem wo sich der Jupiter gerade am Himmel befindet, nicht immer waagerecht zur Einblickebene ausgerichtet sind. Ich habe für mich festgestellt, daß meine Zentralmeridianmessungen mittels parallaktisch montierten Teleskopen sehr viel genauer sind und daher ist der Refraktor ideal für diese Zwecke.
 
 

Allgemeingültige Schlußfolgerungen möchte ich aus meinen Beobachtungen mit den verschiedenen Instrumenten nicht ziehen, aber wenn dieser Artikel dem einen oder anderen ein wenig geholfen hat, seine Entscheidung für oder wider ein Instrument zu fällen, so hat er seinen Zweck erfüllt.
Meine sämtlichen Jupiterzeichnungen und noch ein wenig mehr ist auf meiner Homepage zu sehen: www.cuwohler.de.
Bei weiteren Fragen zu dieser Thematik bin ich unter meiner E-Mail-Adresse (mail@cuwohler.de) zu erreichen.


Abb. 5: Jupiter, 20.03.2001, 18:00UT
              am FH-Refraktor 150/1200
              Luftruhe: 2-3, Durchsicht: 2
              Vergr.: 171x