Veröffentlicht im Magellan, Das unabhängige Beobachterforum, 3/2001
 
Jupiter beobachten und zeichnen

Cai-Uso Wohler

Warum beobachtet man Jupiter regelmäßig? Jupiter zeichnen, ist das nicht ein wenig umständlich im Zeitalter der CCD-Photographie? Fragen, die sich mir aufdrängen angesichts der Tatsache, daß immer weniger Amateurastronomen der regelmäßigen Erfassung der Jupiteratmosphäre nachgehen. Wahrhaftig, es gibt heute gute bis geniale erdgebundene CCD-Photos vom Jupiter und spätestens ab der Detailfülle der Photos von Antonio Cidadao (siehe: http://www.astrosurf.com/cidadao/) würde ich das Zeichnen u. U. auch an den Nagel hängen. Aber nicht jeder hat eben eine 11"-Optik und das entsprechende Seeing. Das also, und vor allem die Tatsache, daß sich auf Jupiter in sehr kurzen Zeitabständen viel verändert, sind die Gründe, weshalb ich den Jupiter zeichne.
Nach einer längeren Pause habe ich die Jupiterbeobachtung im November 1999 wieder aufgenommen, damals mit einem FH-Refraktor 100/1000 von Bresser. Da ich vorher maximal mit einem 80mm-Refraktor beobachtet hatte, war ich nun erstaunt über die Detailfülle, die man durch einen 4"-Refraktor am Jupiter sieht (Abb. 1, auf allen Abbildungen ist Norden oben, Rotationsrichtung von links nach rechts).
Da zu der Zeit gerade die Preise der Bresser-Produkte ins Wanken gerieten und auch der 120/1000 FH-Refraktor durchaus erschwinglich war, habe ich mich kurzerhand entschlossen, den 100mm-Refraktor gegen dieses Gerät auszutauschen. Seit Februar 2000 beobachtete ich nun also mit dieser 120mm-"Billigscherbe", wie einige Leute ihn nennen.
 

Abb. 1: Jupiter am 07.01.2000, 17:29UT

Abb. 2: Jupiter am 17.10.2000, 00:33UT

Es ist schon wirklich erstaunlich, was man durch diesen "Billigimport" aus China am Jupiter alles sehen kann (Abb. 2). Von Rifts (helle vertikale bis schräge Aufrisse eines Bandes) und Streaks (meist horizontale Einschnitte eines Bandes) über Projektionen und Girlanden bis hin zu weißen Ovalen und Brücken in Richtung NTB (nördliches gemäßigtes Band) bleibt dem Beobachter im NEB (nördliches äquatoriales Band) nichts verborgen. Auch das in letzter Zeit nur zart angedeutete EB (Äquatorband) zeigt sich hin und wieder. Am SEB (südliches äquatoriales Band) sieht man den GRF (großer roter Fleck), die Bucht, in dem der GRF liegt, die Teilung des SEB in eine Nord- und eine Südkomponente, Knoten am SEBs (südlicher Rand des SEB) und zahlreiche Schattierungen. Ferner habe ich mehrmals im STB (südliches gemäßigtes Band) die Aussparung gesehen, in der das recht große, momentan jedoch kontrastarme weiße Oval BA liegt. Als ganz wichtig bei der Beobachtung mit relativ kurzen FH-Refraktoren (f/8 bis f/10) hat sich die Verwendung eines Gelbgrün-Filters herausgestellt. Er hebt den Kontrast doch wesentlich an. Wenn man vielleicht damit auch nur wenig mehr sieht, so wird das Erkennen von Einzelheiten damit aber vereinfacht.
Im Oktober 2000 habe ich mich dann, immer auf der Suche nach noch mehr Details, für ein 4" Fluorit der Firma Vixen entschieden. Wenn man die Kosten für ein solches Gerät und den Streß, den ich mit dem Händler hatte, einmal unberücksichtigt läßt, ist es ein sehr schöner Refraktor, der zum 120mm FH-Refraktor schon eine Steigerung bedeutet (Abb. 3). Ich möchte nicht behaupten, daß man wesentlich mehr Details auf Jupiter sieht, jedoch ist das Bild auch ohne Filter um einiges schärfer und wesentlich ästhetischer.
 

Abb. 3: Jupiter am 08.12.2000, 22:20UT

Abb. 4: Jupiter am 14.02.2001, 18:40UT

Zusätzlich zu dem Fluorit benutze ich seit Anfang 2001 einen dobsonmontierten 8" Newton, f/7.5, mit einem Spiegel von Westerholt, Okularschlitten und kleinem Fangspiegel, so daß die Öffnung mit 14% linearer Obstruktion nur sehr wenig abgeschattet ist. Das Gerät hat mir Christian Harder im Dezember letzten Jahres in einer ziemlichen Geschwindigkeit gebaut. An dieser Stelle nochmals meinen herzlichsten Dank! Beim First Light fiel mir dann, gelinde gesagt, die Kinnlade herunter. Das Gerät, das mich ca. 1/5 des Preises des Fluorits gekostet hat, zeigt bei gutem bis mittlerem Seeing deutlich mehr als das Fluorit, und das bei fast gleicher Bildästhetik (Abb. 4). Lediglich bei schlechtem Seeing ziehe ich noch das Fluorit vor, welches dann bessere Bilder liefert.
Nun aber zum Zeichnen selbst. Entgegen der allgemeinen Meinung muß man zum Jupiterzeichnen weder Künstler noch sonst irgendwie besonders talentiert sein. Wichtig ist vor allem die Übung! Wenn man meine Zeichnungen des letzten Jahres betrachtet, fällt nur zu deutlich auf, daß ich alleine durch das ständige Zeichnen am Teleskop eine Übung erfahren habe, die sich positiv auf das Gesamtbild auswirkt. Das Know-how des Jupiterzeichnens habe ich mir in dem Heft Jupiter - Einführung in die Beobachtungspraxis von André Nikolai (http://www.be.schule.de/schulen/wfs/constpages/AGPlaneten/JUPITER/JUPBEO.HTM) erlesen. Hier kurz die einzelnen Arbeitsschritte:
Zum Zeichnen am Teleskop benutzt man idealerweise eine Schreibunterlage wie z. B. ein Klemmbrett. Ich empfehle hier ein Klemmbrett aus Kunststoff, Metall wird in klaren Winternächten unangenehm kalt. Außerdem wird ein Vordruck einer Jupiterschablone mit der entsprechenden Abplattung benötigt. Diese kann man sich auf der folgenden Seite herunterladen: http://www.naa.net/akp/jupiter.html. Als Beleuchtung empfiehlt sich eine dimmbare Rotlicht-Taschenlampe. Zum Zeichnen selbst verwende ich einen Druckbleistift (0,5mm) und HB-Mine. Ferner wird ein Radierstift (weil anspitzbar) und ein Papierwischer (Estompen) benötigt.
Zuerst zeichne ich die Hauptbänder NEB und SEB ein. Hierbei ist auf die Dicke der Bänder und den Abstand zum Äquator zu achten. Anschließend werden diese ausgemalt mit der jeweiligen Grundhelligkeit. Daraufhin werden die schwächeren Bänder eingezeichnet. Wenn dieses "Grundgerüst" fertig ist, werden die Details, beginnend am p-Rand (das ist der Rand, an dem die Objekte verschwinden) in Richtung f-Rand (wo die Objekte erscheinen, im Newton der rechte Rand) eingezeichnet. Die Details sind im wesentlichen Schattierungen, dunkle Flecken und Aussparungen in den Wolkenbändern, Projektionen und Girlanden in den Zonen etc.. Das Einzeichnen der Details sollte nicht länger als zehn Minuten dauern, da die Details in zehn Minuten schon um 6° weiterwandern.
Hiermit endet das Zeichnen am Teleskop. Jetzt kann man es sich drinnen bequem machen und die Zeichnung verfeinern. Im Rotlicht nicht ganz richtig getroffene Details werden nochmals besser herausgearbeitet, Schattierungen werden verfeinert und zum Schluß wird der "Bleistiftcharakter" der Zeichnung mit dem Estompen vorsichtig verwischt. Es ist darauf zu achten, daß kleine Details hierdurch nicht größer gewischt werden, als sie eigentlich sind. Das Endprodukt ist dann eine (hoffentlich) einigermaßen realistische Abbildung dessen, was man zuvor im Teleskop beobachtet hat. Man sollte am Anfang keine Wunder von sich erwarten, aber spätesten mit ein wenig Übung fangen die Zeichnungen an, sehr ansehnlich und realistisch auszusehen.
Wenn dieser Artikel den einen oder anderen dazu motiviert hat, vielleicht auch einmal einen Bleistift in die Hand zu nehmen und seine Jupiterbeobachtungen festzuhalten, dann hat er seinen Zweck erfüllt. Es würde mich sehr freuen, auch von anderen Beobachtern gelegentlich Zeichnungen im Internet zu sehen.
Meine Zeichnungen sind im Internet unter http://www.cuwohler.de/ abgelegt.
Für weitergehende Fragen stehe ich gerne zur Verfügung (mail@cuwohler.de).