Veröffentlicht im Magellan, Das unabhängige Beobachterforum, 1/2001
 
Jupiter vor der Opposition 2000

Cai-Uso Wohler

Die erste  Beobachtung des Zeitraumes vor der Opposition datiert vom 05.08.2000, die letzte in diesen Artikel einfließende Beobachtung wurde am 16.11.2000 durchgeführt.
Es wurden 46 Einzelzeichnungen sowie zwei Gesamtkarten angefertigt.
Der Zeitpunkt der Zentralmeridianpassage des GRF wurde 9 mal geschätzt, ferner wurden dreimal ein Streak sowie einmal ein D-Bar bei der Passage gemessen.
Im wesentlichen wurde mit einem Bresser-Refraktor 120mm/1000mm beobachtet, bei einigen wenigen Beobachtungen stand ein 4“ Vixen-Fluorid mit f=920mm zur Verfügung.
Grundsätzlich war sehr auffällig, daß die Detailsichtungen (Projektionen, D-Bars etc.) ständig zunahmen, da der Durchmesser des Jupiterscheibchens innerhalb der hier besprochenen Zeit von 37“ auf 48“ anwuchs, was einen Zuwachs von 30% bedeutet.
Außerdem nimmt die Beobachtungsgabe im Laufe einer regelmäßigen Beobachtung ständig zu.
 
 
 

Abb. 1: 05.08.2000, 02:25 UT
ZM1=226°   ZM2=350°
LR: 3           Du: 2
V=143x       kein Filter
Abb. 2: 05.11.2000, 00:55 UT
ZM1=302°   ZM2=84°
LR: 1-2       Du: 2
V=143x       Filter gelbgrün

 

Aktivitäten auf Jupiter im einzelnen:
(Positionsangaben [°] beziehen sich immer auf das Rotationssystem II auf Jupiter)

NNTB: Am 05.08.2000, also bei der ersten Jupiterbeobachtung dieser Saison überhaupt, habe ich einen dunklen Bereich im NNTB wahrgenommen. Am 20.08. kam dann via Internet ein Beobachtungsaufruf dieser Gegend von der A.L.P.O. (Association of Lunar and Planetary Observers). Der D-Bar konnte bis zum 22.09. viermal zwischen l=355° und l=5° beobachtet werden.
NTZ: Die NTZ war immer deutlich abgesetzt von den sie flankierenden Bändern, zeigte aber bis auf den 05.11. (eine dunkle Brücke) keinerlei Aktivität.
NTB: Im NTB waren ab dem 23.09. Aktivitäten in Form von Verdickungen und dunklen Verbindungen in Richtung NEB sowie helleren Abschnitten zu erkennen.
NTrZ: Ab dem 23.09. war die NTrZ immer wieder durchschnitten von dunklen brückenartigen Verbindungen zwischen NTB und NEB.
NEB: Die schon erwähnten brückenartigen Verbindungen zum NTB hatten meist ihren Ursprung in einer Ausbuchtung des NEBn. Ferner wurden oft großflächige Schattierungen (starke Kontraste) im NEB wahrgenommen. Zwei Streaks (helle Streifen) wurden ab dem 14.08. bei l~280° und l~355° mehrmals beobachtet. Außerdem konnte bei l~130° einmal ein Rift (heller, schräger bis senkrechter Schnitt durch das NEB) identifiziert werden. Diverse Ein- und Ausbuchtungen waren sowohl im NEBn als auch im NEBs immer wieder zu beobachten.
EZ: In der EZ waren ständig mehrere Projektionen (Fahnen) zu sehen. Diese waren jedoch meist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, da sie sehr kontrastarm erschienen. Sie durchschnitten zumeist die EZ zu mindestens 75% von Nord nach Süd und endeten selten schon auf Höhe des EB. Ausgang dieser Projektionen waren immer die schon erwähnten Ausbuchtungen im NEBs. Das EB scheint wieder kontrastreicher zu werden. Wurde es im August nurmehr vermutet, so war es ab Oktober häufiger und kräftiger zu sehen, und zwar vornehmlich im Bereich zwischen l=270° und l=320°.
SEB: Am SEB fiel auf, daß es deutlich zweigeteilt war, und zwar beginnend hinter dem GRF bis ca. l=300°. In diesem Bereich war das SEB(S) deutlich dunkler als das SEB(N) und erreichte fast die Intensität des NEB. Zum SEB(C) hin nahm die Intensität von beiden Richtungen her ab, der Zentralbereich dieses Bandes war teilweise recht hell. Zwischen l~300° und l~75° waren SEB(N) und SEB(C) fast gleich intensiv, jedoch heller als das SEB(S). Ab Anfang November konnten im SEB(S) auch einige knotenartige Verdickungen gesehen werden. Das SEB(S) war im Bereich vor und hinter dem GRF deutlich dunkler, eine eindeutige Abgrenzung zwischen SEB und GRF konnte ich nicht beobachten. Ebenso habe ich das „Auge“ des GRF, die dunkle Zentralregion, nicht sehen können. Lediglich eine Abnahme der Helligkeit im GRF von Nord nach Süd war zu erkennen. Die jovianische Länge des GRF wurde im System II zu ~74° ermittelt (Schnitt aus neun ZMP-Messungen zwischen August und November).
STrZ: An den letzten Beobachtungstagen dieses Berichts wurde festgestellt, daß im Bereich der Knoten des SEB(S) dieses bei ruhiger Luft sehr ausgefranst wirkte und Teile in die STrZ hineinragten.
STB: Das STB war nur diffus und lückenhaft zu sehen. Eine Aussparung zwischen zwei Bandsegmenten (Beobachtung vom 01.11.) deutet darauf hin, daß ich unbewußt das W-Oval BA gesehen haben könnte. Bei ~140° war Anfang November eine großflächige Verdunkelung des STB auf einer Länge von ~30° zu sehen. Ferner waren im STB(S) mindesten drei dunkle Bereiche (Abschnitte) zu beobachten.
STZ: Die STZ konnte zwischen l=60° und l=250° ausgemacht werden, davor und dahinter verschwamm sie mit den Bändern.
Die Polregionen nördlich der NNTZ und südlich der STZ waren homogen und in etwa gleich hell.

Dieser Beobachtungsbericht soll aufzeigen, welche Detailfülle man schon mit relativ einfachen Geräten bei regelmäßiger Beobachtung am Jupiter erkennen und festhalten kann. Wichtig hierbei ist jedoch, wie eingangs bereits erwähnt, daß der Beobachter regelmäßig beobachtet und auch zeichnet, da dies das Erkennen von kleinsten Details schult.
Meine gesamten Jupiterbeobachtungen sind im Internet unter http://www.cuwohler.de zu sehen.


Gesamtkarte aus Beobachtungen vom 01.11.-05.11.2000, beobachtet mit Bresser Pulsar 120mm/1000mm, V=143x, Filter gelbgrün