|
Veröffentlicht
im Sternkieker, Zeitschrift der Gesellschaft
für volkstümliche
Astronomie e. V. Hamburg, 28. Jahrgang,
1. Quartal 1991
Jupiterbeobachtungen mit
bescheidenem lnstrumentarium
Cai-Uso Wohler
Den Anstoß, diesen Artikel zu schreiben,
gaben mir die zum Teil sehr guten Jupiter-Photos der letzten Sternkieker
(Nr. 142 und 143). Diese mit beachtlichen Instrumenten aufgenommenen
Photos zeigen doch schon eine Reihe von Details im nördlichen äquatorialen
Band (NEB), den großen roten Fleck (GRF) und weitere Strukturen des
Gasriesen (siehe Sternkieker Nr. 142, Seite 113).
Richtet nun der stolze Besitzer eines
gerade erworbenen 6 cm Eschenbach-Refraktors mit azimutaler Montierung
sein Instrument auf den von Photos schon vertrauten Jupiter, so ist die
Enttäuschung meist groß. So ging es mir jedenfalls Anfang der
80er Jahre. Außer zwei 'Rallye-Streifen', wie ein Bekannter achtlos
behauptete, war nichts auf Jupiter zu erkennen. Nachdem ich zu der Überzeugung
gekommen war, daß mein Instrument zu klein ist für Planeten,
wandte ich mich, immer noch sehr blauäugig, den Deep-Sky-Objekten
zu, was mich allerdings aufgrund der geringen Öffnung meines Refraktors
auch nicht befriedigte.
Im Laufe der Zeit hat sich nun meine Ausrüstung
ein wenig verbessert. Die azimutale Montierung wich einer alten, parallaktischen
Tasco-Montierung, und für Jupiterbeobachtungen benutze ich z. Zt.
eine Barlowlinse (3-fach). Trotzdem vielerseits vom Gebrauch einer Barlowlinse,
zumal mit einem so hohen 'Brennweiten-Verlängerungsfaktor' abgeraten
wird, habe ich hiermit bislang nur gute Erfahrungen gemacht. In Verbindung
mit einem 20 mm Huygens-Okular erziele ich bei einer Brennweite von 710
mm eine Vergrößerung von 107x. Die Qualität des Bildes
ist in dieser Kombination deutlich besser als bei Verwendung des auch in
der Grundausstattung enthaltenen 6 mm Okulares (118-fach), da der scheinbare
Gesichtsfeld - Durchmesser des längerbrennweitigen Okulares größer
ist, was ein bequemeres Sehen ermöglicht, und die Barlowlinse kaum
qualitätsmindernd wirkt.
Mit dieser Gerätekonfiguration beobachte
ich den Jupiter nun seit Anfang '89 regelmäßig, und es hat sich
gezeigt, daß mit fast jeder weiteren Beobachtung neue Strukturen
und Einzelheiten auf dem größten Planeten unseres Sonnensystems
sichtbar werden. Kaum zu beschreiben ist das Gefühl, zum ersten Mal
und ohne Vorausberechnung, den GRF identifiziert zu haben, zumal dieser
(am 08.02.1989) lediglich als Aussparung des damals noch vorhandenen SEB
zu erkennen war (Abb. 1). Zu dieser Zeit verwendete ich zum Zeichnen
des Umrisses von Jupiter noch ein 1 Pfennig Stück (d = 17 mm), ohne
die Abplattung von 1/16 zu berücksichtigen. Da jedoch auch die Beobachtungen
von Verdichtungen, Ein- und Ausbuchtungen und dunklen Gebieten, besonders
im NEB, zunahmen, war der Durchmesser der Jupiterscheibe bald zu klein,
um all diese Details aufzunehmen. Aus diesem Grund fertigte ich mir, in
Anlehnung an das Formblatt der Wilhelm - Foerster - Sternwarte, eine eigene
Vorlage für die Jupiterbeobachtungen. Diese verwendete ich allerdings
nur einige Monate am Anfang dieses Jahres, da sie mit einem Äquatordurchmesser
von 66 mm für mein Instrument doch etwas zu groß ausfiel. Für
die kommende Jupitersaison habe ich mir ein Formblatt erstellt, das die
Jupiterscheibe mit einem Äquatordurchmesser von 40 mm darstellt, was
der Größe meines Instrumentes hoffentlich etwas näherkommt.
Doch nun zurück zu den Beobachtungen,
die Anfang '90 immer genauer wurden. So habe ich z. B. am 25.12.1989 zum
ersten Mal das Verschwinden des SEB bemerkt (zu einem früheren Zeitpunkt
gab es für mich keine Beobachtungsgelegenheit). Jedoch die Fülle
der Details im NEB und der GRF entschädigten mich für das Ausbleiben
des SEB. So waren im NEB z. B. am 15.03.1990 fünf Ausbuchtungen und
eine Einbuchtung nach längerem Beobachten deutlich zu sehen. Auch
versuchte ich mich daran, den GRF auf dem Jupiter zu lokalisieren, d. h.
seine Längenkoordinate zu ermitteln. Hierfür lagen mir 10 selbstgefertigte
Zeichnungen aus dem Zeitraum vom 08.02.1989 bis zum 01.04.1990 vor, anhand
derer ich die Länge des GRF zu 27,5° ermitteln konnte. Ferner
schließe ich aus der Tatsache, daß die früheren Längen
des GRF über, die späteren aber eher unter dem Mittelwert von
27,5° liegen, daß die Länge des GRF langsam abnimmt. Da
es sich hier allerdings auch um Ungenauigkeiten in der Beobachtung handeln
kann (zu kleines Instrument), wird dieses in den kommenden Sichtbarkeitsperioden
noch zu überprüfen sein.
Abb. 1: Jupiter am 08.02.89,
18:00 UT
V = 107x, Luft 2, Durchsicht
1
Abb. 2: Jupiter am 01.04.90,
18:50 UT
V = 107x, Luft 2, Durchsicht
2
Auch sehr interessant sind die Vorübergänge
der Jupitermonde vor der Jupiterscheibe. Die Zeitpunkte hierfür können
jedem astronomischen Jahrbuch entnommen werden. Mit ein wenig Beobachtungserfahrung
wird man, gute Wetterverhältnisse vorausgesetzt, zum Zeitpunkt des
Durchgangsanfangs bzw. kurz danach zu sehen glauben, daß 'jemand
den Rand des Jupiter mit einem Locher bearbeitet hätte'. Im weiteren
Verlauf eines solchen Durchgangs wird man schon in Abständen von wenigen
Minuten eine Positionsänderung des Schattens feststellen können.
Dem unerfahrenen Beobachter seien hier vor allem die Durchgänge des
Mondes III (Ganymed) empfohlen, da sein Schatten, bedingt durch seine Entfernung
vom Jupiter und seine Größe, den größten Durchmesser
erreicht. Ich selbst habe während zweier Sichtbarkeitsperioden des
Jupiter die Schatten der Monde I, III und IV beobachten können. Der
Schatten des Mondes II (Europa) hat den geringsten Durchmesser und blieb
mir bislang vergönnt, was mich allerdings die Hoffnung, ihn mit meinem
Instrument trotzdem unter optimalen Voraussetzungen einmal beobachten zu
können, nicht aufgeben läßt. Ein mit einem Refraktor dieser
Größe wohl sehr seltenes Beobachtungserlebnis hatte ich am 12.01.1990,
als ich hinter dem Teleskop saß und den Schatten von Mond III 'erwartete'.
40 min nach Durchgangsanfang (der Schatten folgte dem Mond in einem Abstand
von 98 min) bemerkte ich auf der Durchgangslinie des Mondes III, auf der
ich ca. eine Stunde später den Schatten erwartete, andeutungsweise
einen Punkt auf der Jupiterscheibe, nicht weit vom Rand entfernt. Nach
einer Stunde, als dann der Schatten von Mond III am Ostrand erschien, hatte
ich die Gewißheit, daß ich tatsächlich den Mond Ganymed
selbst sehe und mittlerweile auch seinen gerade im Osten auftauchenden
Schatten. Da ich bislang weder davon gehört noch gelesen habe, daß
so etwas mit einem 6 cm Refraktor möglich ist, hoffe ich, mit dieser
Beobachtung einige Amateurastronomen motivieren zu können, sich auch
mit einer kleinen Ausrüstung einmal näher mit dem Gasriesen zu
beschäftigen und eventuell ihre Erlebnisse oder Ergebnisse im Sternkieker
vorzustellen.
Zum Abschluß sei noch auf Abb. 2
hingewiesen. Diese Zeichnung entstand am 01.04.1990 um 18.50 UT, nur 12
Minuten nach einer Aufnahme von F. Kufer, München (Sternkieker Nr.
142, Abb 2). Es sind tatsächlich einige Ähnlichkeiten zu verzeichnen,
wie z.B. die Ein- und Ausbuchtungen im NEB. Auch der Schatten von Mond
I ist sowohl auf dem Photo als auch in meiner Zeichnung zu erkennen (man
beachte: Auf dem Photo ist Norden oben, Osten links; in meiner Zeichnung
ist Norden auch oben, Osten jedoch rechts). Deutlich ist hier das Wandern
von Mond I von Ost nach West zu sehen. Der zum Zeitpunkt der Photographie
seit 16 Minuten über dem Jupiter stehende Schatten von Mond III geht
auf dem Photo leider in der Randverdunkelung unter. 28 Minuten nach Schattenanfang
konnte er von mir in der Zeichnung erfaßt werden. Das Weiterwandern
dieses Schattens zeigt das 1h nach meiner Zeichnung entstandene Photo von
W. Lille, Stade (auch Sternkieker Nr. 142, Abb. 3). Allerdings sind
in meiner Zeichnung sowohl die Positionen als auch die Proportionen der
einzelnen Gebilde zueinander noch nicht sehr genau, was zum einen an der
noch fehlenden Erfahrung in der zeichnerischen Darstellung, zum anderen
an der Schwierigkeit, die Proportionen von einem sehr kleinen Jupiterscheibchen
im Okular auf eine unangemessen große Schablone zu übertragen,
liegt. Aber die nächste Sichtbarkeitsperiode hat ja bereits
begonnen, und ich werde, mit kleinerer Jupiterschablone allerdings, wieder
zeichnen.
|
|